Die Ergebnisse aller Wirkungstests (PDF)
Proradix reduziert
Stängel-Phytophthora
Neue Ergebnisse
(PDF)
Sourcon Padena jetzt auch auf
www.agrar-presseportal.de

15.12.2008
Bis aus biologischer Forschung Arbeitsplätze werden, kann es dauern. Glamourös muss Bio-Technik auch nicht sein. Manchmal dreht sich alles um die gemeine Kartoffel.
Tübingen. Mittendrin in der aufgeregten Phase, als Bio-Technologie-Unternehmen wie Pilze aus dem Boden schossen, wurde auch die Firma Sourcon-Padena gegründet. Rohstoffe für die Medikamenten-Entwicklung sollten aus bodenlebenden Pilzen und Bakterien gewonnen werden. Seit 2001 wurde im Derendinger Steinlachwasen in der Hechinger Straße nach aussichtsreichen Kandidaten zum Beispiel für Krebsmedikamente gesucht. Einen Millionenumsatz wollte die Firma damit erzeugen und in wenigen Jahren gut 20 Arbeitsplätze schaffen.
Sieben Jahre später sind es drei Vollzeit-, und zwei Teilzeitstellen geworden. Von Rohstoffsuche für die Pharmaindustrie redet der jetzige Geschäftsführer Wolfgang Vogt nicht mehr. „Ich spreche kartoffel.“ Der 41-Jährige drückt aus, mit was sich Sourcon-Padena vor allem beschäftigt: mit einem Bakterium, das die Wurzeln von Kartoffelpflanzen vor einer Pilzkrankheit schützt, sie allgemein widerstandfähiger macht und gleichmäßig große Stärkeknollen produzieren lässt.
Damit kommt die Firma gleich doppelt zu ihren Ursprüngen zurück. Vogt war es, der als Doktorand in Stuttgart-Hohenheim das heilsam wirkende Bakterium aus der Gattung Pseudomonas fand. Es kommt natürlicherweise an der Wurzel von Salatpflanzen vor. Vogt war noch so lange dabei, bis seine zur Vermarktung gegründete Firma Padena mit der auf dem Gebiet der Wirkstoff-Suche tätigen Sourcon zusammengeführt wurde. Sourcon sollte das Risiko-Kapital anlocken, Padena mit einem marktfähigen Produkt ersten Umsatz bringen. Vogt stieg damals aus und arbeitete fast sieben Jahre bei „m-phasys“. Auch ein junges Tübinger Start-Up-Unternehmen, das im Weststadt-Gewerbegebiet Unter dem Holz das dreidimensionale Aussehen interessanter Eiweißmoleküle herausfinden wollte. So lange bis Kreditgeber der Firma den Geldhahn zudrehten.
Vogt wechselte 2006 zurück zur Knolle. Sourcon-Padena gab es noch, obwohl dem Risiko-Geldgeber sehr schnell selbst das Geld knapp wurde. Als Retter war dann die Herrenberger Buck Chemie eingestiegen, die ihren Umsatz mit Sanitär-Chemikalien macht. Vogt konzentrierte sich wieder ganz auf das in vielen Freilandversuchen als wirksam erwiesene Bakterienmittel für Kartoffeln. Seit diesem Jahr hat Sourcon-Padena erstmals eine Zulassung als Pflanzenschutzmittel für Holland, einem wichtigen europäischen Kartoffelmarkt. Schlagkräftige Vertriebspartner verteilen international das pulverförmige Produkt, das als natürlicher Bodenbestandteil auch für den Bio-Anbau zugelassen ist.
Bald soll es Produkte im Gartenmarkt geben
„Wir sind damit eine komplett neue Firma.“ Den Sourcon-Zweig gebe es fast nicht mehr. Ein, zwei Handvoll Bestellungen für die Biochemikalien liefen noch ein, die wirtschaftliche Chance liege aber in dem Proradix genannten Bakterienprodukt. Die von Sourcon-Padena besonders geschützte Technik liegt darin, die heiklen Bakterien in Pulverform zu stabilisieren. Wird das Pulver in Wasser aufgelöst, können darin die Knollen gebadet werden. Beim Keimen der Wurzeln besiedeln sie als Schutzschild die Wurzelhaut. Eine gute Wirkung hat die Bakterienbeize auch bei Rasensamen. Das Gras wächst gesünder und üppiger. Wenn alles so läuft, wie sich Vogt das vorstellt, könnte die Firma 2009 zum ersten Mal ohne Kapitalspritze aus Herrenberg auskommen.
Mit Proradix behandeltes Rasensaatgut sollte es bis dahin auch im hiesigen Gartenmarkt geben. Bei anderen Gemüsen zeigt die hauseigene Pseudomonas bei Gurken, Paprika und Tomaten Wirkung. Ausgerechnet an der Kartoffel wurde nun ein Bakterium aus der gleichen Gattung gefunden, das nach ersten Versuchen bei Salat biologische Schutzwirkung entfaltet. Damit kann Vogt vielleicht weiterspinnen an der Geschichte mit den Entdeckungen und dem anschließenden wirtschaftlichen Erfolg.
“Tübinger Nachrichten” 15.12.2008